Indie Book Day am 22. März

Brot und Spiele – Der Kurzgeschichtenverlag

Was hat euch dazu inspiriert, euch auf Kurzgeschichten zu spezialisieren? Was macht dieses Genre so besonders?

Es waren die jungen Talente, die wir in der Wiener Literaturszene kennengelernt haben. Alle haben mehrere Kurzgeschichten, aber nicht unbedingt einen Roman auf Lager. In England und Amerika ist es voll und ganz akzeptabel, dass ein:e junge:r Autor:in mit einem Band Kurzgeschichten debütiert. Bei uns muss man erst einen Roman schreiben, um ernst genommen zu werden. Weder im Buchhandel noch in der Verlagsszene konnte mir jemand erklären, warum das so ist. Buchhändler:innen sind für unseren Ansatz offen und halten Kurzgeschichten zurecht für eine zeitgemäße Form der Literatur. Inzwischen gewinnen wir auch bekanntere Namen, aber unser Ziel bleibt vor allem, dem literarischen Nachwuchs den Start seiner Karriere zu ermöglichen.

 

„Kleine Verlage sorgen jenseits der omnipräsenten, nicht immer niveauvollen Besteller für Qualität und Vielfalt in der Literaturszene, indem sie originelle Interessensgebiete und Nischen bedienen.“

(c) Manfred Weis

 

 

Welche Herausforderungen und Chancen seht ihr als kleiner Verlag in der heutigen Buchlandschaft, und wie begegnet ihr diesen?

Als junger Verlag sind wir auf Förderung durch die Stadt Wien und das Bundesministerium für Kunst und Kultur angewiesen. Gefördert wird erwartungsgemäß österreichische Literatur bzw. solche mit Wien-Bezug. Wir müssen achtgeben, dass wir in dieser Hinsicht keine Schlagseite bekommen, denn für uns zählt eher das Genre als die Nationalität. Deshalb veröffentlichen wir auch Übersetzungen aus Osteuropa, um hervorragende Belletristik von dort auch einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen.

Gibt es ein bestimmtes Buch aus eurem Programm, auf das ihr besonders stolz seid und das eure Verlagsphilosophie widerspiegelt?

Wir schätzen uns glücklich, die Kurzgeschichten des in der englischsprachigen Welt bereits anerkannten kroatischen Autors Robert Perisic erstmalig auf Deutsch herausbringen zu dürfen: Horror und hohe Unkosten. Darüber hinaus sind die Kriminalnovellen Auguste Groners in Der Brief aus dem Jenseits ein erfolgreiches Beispiel aus unserer Klassikerreihe, in der wir gerade auch vergessene Autorinnen der Wiener Moderne wieder zu einer Stimme verhelfen wollen.

Warum sind kleine unabhängige Verlage wichtig für die Verlagslandschaft?

Kleine Verlage sorgen jenseits der omnipräsenten, nicht immer niveauvollen Besteller für Qualität und Vielfalt in der Literaturszene, indem sie originelle Interessensgebiete und Nischen bedienen. Es ist für eine:n junge:n Autor:in auch leichter, bei einem kleinen Verlag Fuß zu fassen, als in einem großen Haus – und die Betreuung ist meist besser, da persönlicher.

Wie geht es mit Brot und Spiele weiter?

In diesem Frühjahr erscheinen erstmals die Kurzgeschichten des renommierten Kritikers Volker Hage, der lange das Literaturressort bei der Zeit und beim Spiegel leitete. Im Herbst bringen wir den slowakischen Autor Marek Vadas heraus, der in Sechs Fremde eine bis heute ungelöste (vom Kriegsgeschehen unabhängige) Mordserie aus den 1940er Jahren schildert. Darüber hinaus möchten wir in den nächsten Jahren auch eine Kurzgeschichtenreihe in englischer Sprache herausbringen, die z.B. in Unterricht und Studium verwendet werden kann. Außerdem wollen wir unsere humoristische Sparte weiter ausbauen, für die wir mit der Prosa von Stefan Lehnberg, der Sketche für Harald Schmidt und Anke Engelke geschrieben hat, sowie mit Udo Fröhlichs tiefschwarzen Erzählungen den Grundstein gelegt haben. 

Vielen Dank für das Interview!

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