Verband der Antiquare Österreichs warnt

Betrug mit vermeintlich wertvollen Büchern

Die Sendung „Akte Betrug“ im ORF berichtet von einem besonders gravierenden Fall aus Niederösterreich: Christine T. aus Wien zahlte über 20.000 Euro für zwei Bücher, deren tatsächlicher Wert laut einem Experten nicht einmal 100 Euro beträgt. Die Täter, oft unter ständig wechselnden Firmennamen tätig, arbeiten mit psychologischen Tricks: Sie treten freundlich und gebildet auf, geben sich als Expert:innen für Kunst und Kultur aus und setzen die vulnerablen Opfer durch Gesprächsführung unter Druck, um einen schnellen Kaufabschluss zu erzielen.

In einem besonders drastischen Fall wurden einer Frau aus Niederösterreich 15 wertlose Bücher für insgesamt 45.000 Euro verkauft. Später suggerierten die Betrüger:innen, es gäbe bereits Interessenten für die Werke – Voraussetzung für den Verkauf sei jedoch eine kostspielige Eintragung in ein angebliches Register. Preis: 150.000 Euro. Die Frau zahlte – und verlor ihr gesamtes Erspartes. Erst danach wandte sie sich an die Polizei.

Die Masche ist in Deutschland bereits seit über 15 Jahren bekannt. Nun häufen sich ähnliche Fälle auch in Österreich, der Schweiz und Belgien. Auch viele österreichische Antiquar:innen, wie Elena Jakobi vom Antiquariat Burgverlag, kennen das Vorgehen: „Leider ist uns diese Betrugsmasche nur zu gut bekannt: Es kommt immer wieder vor, dass Personen mit derartigen Faksimiles und hohen Preisvorstellungen zu unseren Verbandsmitgliedern und Antiquariatskolleg:innen kommen und sich gute Wiederverkaufschancen für ihre Bücher erwarten. Fakt ist aber, dass die Faksimile-Ausgaben, die beispielsweise vom ‚Domi-Direct-Verlag – vor dem der VKI bereits gewarnt hat – angeboten werden, nie den postulierten Wert hatten, geschweige denn halten.“

Vom Kauf von Faksimiles pauschal abzuraten, hält Jakobi jedoch nicht für sinnvoll:
„Faksimiles sind aber nicht per se wertlos – es gibt auch hochwertig hergestellte und mit wissenschaftlichem Begleitmaterial versehene Ausgaben. Das Postulat der Wertsteigerung ist jedoch immer kritisch zu hinterfragen.“

Der Verband der Antiquare Österreichs warnt vor diesen unseriösen Praktiken und verweist auf die zentrale Bedeutung ethischer Standards im Antiquariatswesen: „Ethik spielt für uns im seriösen und fairen Umgang mit unseren Kund:innen, wie auch branchenintern, eine essenzielle Rolle. Als Verband der Antiquare Österreichs distanzieren wir uns klar von derartigen betrügerischen Strategien rund um vermeintlich wertvolle Bücher. Durch die Aufnahme in den Verband (wie auch den international agierenden Verband International League of Antiquarian Booksellers, ILAB) verpflichten sich unsere Mitglieder einem strengen Code of Ethics, der den fairen und seriösen Handel mit antiquarischen Büchern, Handschriften, Autographen und Ephemera garantiert.“

Wie lassen sich betrügerische Angebote überhaupt erkennen? Elena Jakobi vom Antiquariat Burgverlag erklärt, worauf man achten sollte und welche Warnsignale es gibt: „Seriöse, wissenschaftlich-kritisch arbeitende Faksimile-Verlage würden ihre Waren nicht über Türverkäufe anbieten und versuchen potenzielle Kund:innen zu weiteren Käufen, teils als Aboverträge, zu drängen. Zur vermeintlichen Absicherung wird die Option auf lukrative Weiterverkäufe der erworbenen Faksimiles vorgetäuscht. Hier ist Vorsicht geboten: Der Wert dieser Faksimiles ist bereits bei Kaufabschluss gleich null und sie sind für den Weiterverkauf ungeeignet. Bei bereits erfolgten Käufen bzw. Zahlungen kann man den Betroffenen nur zu rechtlichen Schritten und einem Anwalt bzw. einer Anwältin raten. Zahlreiche derartige Verfahren laufen zurzeit in unterschiedlichen europäischen Ländern. Auskünfte zu seriösen Faksimileverlagen kann man immer bei Buchhandels- bzw. Verlagsverbänden erfragen.“

Der beste Schutz vor solchen Betrügereien sei jedoch Aufklärung – davon ist auch Mag. Dr. Erwin Barta, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger in Wien, überzeugt: „Ich habe als Sachverständiger für alte Bücher immer wieder mit diesen Fällen zu tun, sowohl in Zivil-, als auch in Strafprozessen. Die gerichtlichen Verhandlungen sind auf der juristischen Ebene meistens schwierig und langwierig. Am wichtigsten wäre es, derartige Käufe durch Aufklärung der Bevölkerung bereits im Vorfeld zu verhindern. Dazu können natürlich auch die österreichischen Buchhändler und Antiquare einen wichtigen Beitrag leisten.“

Weitere Informationen

Beratungsstelle des Vereins für Konsumenteninformation (VKI)

Verband der Antiquare Österreichs

International League of Antiquarian Booksellers, ILAB