Am 28. Juni 2025 tritt das BaFG in Kraft

Barrierefreie EPUBs

Was bedeutet Barrierefreiheit bei EPUBs?

Ein barrierefreies EPUB ist so aufgebaut, dass es von Hilfsmitteln wie Screenreadern problemlos gelesen und navigiert werden kann. Es erfüllt die Anforderungen der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) und des europäischen Standards EN 301 549, der für barrierefreie digitale Inhalte verpflichtend ist.

Grundlagen: EPUB 3 verwenden

Barrierefreiheit ist nur mit dem Format EPUB 3 verlässlich umzusetzen. Es basiert auf HTML5 und erlaubt eine semantische Auszeichnung, was für die Zugänglichkeit essenziell ist.

Stellen Sie sicher, dass der Workflow EPUB 3 ausgibt – viele moderne Tools wie Adobe InDesign, Sigil, Pressbooks, Pandoc oder Vellum unterstützen es.

1. Texte richtig strukturieren

Ein barrierefreies EPUB ist wie ein gut gegliedertes Buch: Es gibt Kapitelüberschriften, Absätze, Listen usw. All das wird beim Erstellen im Hintergrund durch sogenannte „Tags“ (Markierungen) kenntlich gemacht.

Beispiel:

  • Eine Kapitelüberschrift wird als <h1> markiert („Header 1“)
  • Ein normaler Absatz bekommt das Tag <p> („paragraph“)

Man selbst sieht diese Tags im fertigen Buch nicht – aber Hilfsprogramme wie Screenreader schon. Sie brauchen diese Struktur, um das Buch sinnvoll vorlesen zu können.

Wichtig ist also:

  • Überschriften hierarchisch verwenden (<h1>, <h2>, <h3> usw.)
  • Absätze nicht durch Leerzeilen, sondern durch echte Absatztags (<p>) trennen
  • Listen als solche markieren (<ul> für Aufzählung, <ol> für Nummerierung)
  • Zitate kennzeichnen (<blockquote>)

2. Navigation ermöglichen

Damit Leser:innen – insbesondere Nutzer:innen von Screenreader-Technologie – sich problemlos im EPUB zurechtfinden, ist eine klare und gut strukturierte Navigation unverzichtbar. Hierfür gibt es mehrere wichtige Elemente:

Inhaltsverzeichnis (TOC)

Ein barrierefreies EPUB enthält ein strukturiertes, klickbares Inhaltsverzeichnis, das als eigene Datei (meist toc.ncx oder in neueren EPUBs als nav.xhtml) eingebunden ist. Dieses Verzeichnis ermöglicht es Leser:innen, direkt zu Kapiteln, Abschnitten oder anderen wichtigen Stellen im Buch zu springen.

  • Das Inhaltsverzeichnis sollte hierarchisch aufgebaut sein, um auch Unterkapitel oder Abschnitte übersichtlich darzustellen.
  • Die Links im TOC müssen eindeutig sein und auf relevante Textstellen zeigen – am besten auf Überschriften, die mit semantischen HTML-Elementen wie <h1>, <h2>, etc. ausgezeichnet sind.
  • Für Screenreader ist wichtig, dass das TOC semantisch korrekt implementiert ist, damit es von assistiven Technologien problemlos interpretiert werden kann.

Interne Verlinkungen
Innerhalb des Textes können zusätzliche Navigationselemente helfen, etwa:

  • Fußnoten: Verlinkungen von der Fußnotenzahl im Text zur Fußnote am Seitenende (und idealerweise zurück).
  • Querverweise: Links zu anderen Kapiteln, Abschnitten oder externen Ressourcen, die den Lesefluss unterstützen.
  • Glossare oder Index: Klickbare Verweise auf erklärende Einträge oder Zusammenfassungen.

Diese internen Links sollten mit klaren Linktexten versehen sein („Zur Fußnote 5“, „Mehr zu diesem Thema in Kapitel 3“) und nicht nur „hier klicken“ heißen, damit Nutzer:innen und Screenreader-Nutzer:innen den Zweck sofort erkennen.

Navigationshilfen für Assistive Technologien

Vermeiden Sie zu viele verschachtelte Navigationspunkte, um die Komplexität niedrig zu halten.

Verwenden Sie ARIA-Rollen und Landmark-Elemente (<nav>, <main>, <footer>) sinnvoll, um Struktur und Navigationsbereiche zu kennzeichnen.

Nutzen Sie beschreibende Linktexte und sprechende Überschriften, die den Inhalt gut zusammenfassen.

3. Sprache angeben

Damit Screenreader den Text in der richtigen Sprache vorlesen, muss die Sprache des Buchs im Hintergrund angegeben werden. Zum Beispiel: Deutsch = lang="de", Englisch = lang="en".

Auch einzelne Wörter oder Zitate in einer Fremdsprache können so markiert werden.

4. Bilder mit Beschreibung versehen (Alt-Text)

Ein Bild allein kann von Screenreadern nicht wahrgenommen werden, denn diese lesen nur den Text vor. Damit alle Leser:innen – vor allem Menschen mit Sehbehinderungen – den Inhalt und die Funktion von Bildern verstehen können, ist es wichtig, jedem Bild eine aussagekräftige alternative Textbeschreibung (Alt-Text) mitzugeben.

Was ist ein Alt-Text?
Der Alt-Text ist ein kurzer, prägnanter Text, der beschreibt, was auf dem Bild zu sehen ist oder welche Information das Bild vermittelt. Er wird in den HTML-Code des EPUBs eingebettet (z. B. in das <img>-Tag als alt-Attribut).

Wie schreibt man gute Alt-Texte?

Keine redundanten Angaben: Sätze wie „Bild von…“ oder „Foto von…“ sind meist überflüssig, da Screenreader automatisch wissen, dass es sich um ein Bild handelt.

Beschreibend, aber kurz: Der Text sollte knapp und präzise erklären, was wichtig ist – etwa „Porträt einer Frau mit Hut und Brille“.

Kontextbezogen: Beschreibe das Bild so, dass der Alt-Text im Kontext des Buchinhalts Sinn ergibt. Wenn das Bild nur dekorativ ist, kann ein leerer Alt-Text (alt="") verwendet werden, damit Screenreader es überspringen.

5. Keine unnötigen Barrieren einbauen

Ein paar wichtige Grundregeln:

  • Keine Informationen nur durch Farbe vermitteln (z. B. „Die wichtigen Stellen sind rot“)
  • Keine winzigen oder fixen Schriftgrößen verwenden – E-Book-Reader können die Schriftgröße selbst anpassen, das sollte möglich bleiben
  • Texte sollten nicht als Bild eingebunden werden – sondern immer als richtiger, kopierbarer Text

6. Die richtigen Metadaten verwenden

Metadaten sind Zusatzinformationen im Hintergrund des E-Books – z. B. Titel, Autor, Sprache, ISBN. Für barrierefreie EPUBs gibt es eigene Metadaten, mit denen man angeben kann, welche Barrierefreiheits-Funktionen enthalten sind. Diese Informationen sind z. B. für Bibliotheken oder Online-Shops wichtig, die barrierefreie Titel gezielt anzeigen möchten.

7. Das Ergebnis testen

Bevor Sie Ihr barrierefreies EPUB veröffentlichen, sollten Sie eine sorgfältige Prüfung durchführen. Nur so stellen Sie sicher, dass das Buch technisch einwandfrei funktioniert und für alle Leser:innen zugänglich ist.

a) Technische Prüfung

EPUBCheck

  • Das wichtigste Tool zur Überprüfung der technischen Korrektheit Ihres EPUBs ist EPUBCheck (https://github.com/w3c/epubcheck).
  • Es stellt sicher, dass der Code den EPUB-Standards entspricht, alle Dateien korrekt verlinkt sind, keine Syntaxfehler vorliegen und Metadaten vollständig sind.
  • EPUBCheck meldet Fehler, die die Darstellung beeinträchtigen können, beispielsweise fehlende Bilder oder fehlerhafte Inhaltsverzeichnisse.
  • Tipp: Nutzen Sie EPUBCheck regelmäßig während der Erstellung, um Fehler frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Weitere technische Tools

  • Ace by DAISY: Ein Tool zur Prüfung der Barrierefreiheit, das Probleme mit Alt-Texten, Navigation und Struktur erkennt.
  • Validierungsdienste von Distributoren: Plattformen wie Apple Books oder Amazon bieten eigene Prüfmechanismen an.

b) Manuelle Tests

Öffnen in verschiedenen EPUB-Readern

  • EPUBs können in unterschiedlichen Readern unterschiedlich dargestellt werden. Testen Sie Ihr Buch daher in mehreren Programmen, zum Beispiel:
    • Thorium Reader (Windows, macOS, Linux): Ein barrierefreier Open-Source-Reader.
    • Apple Books (macOS, iOS): Weit verbreitet bei Apple-Nutzer:innen.
    • Adobe Digital Editions: Gängiger Reader mit grundlegendem Support.
    • Calibre: Praktisch zum Verwalten und Prüfen von EPUBs.

Screenreader-Tests

  • Testen Sie die Zugänglichkeit Ihres EPUBs mit Screenreader-Software, um die Nutzung für sehbehinderte Leser:innen sicherzustellen:
    • NVDA (Windows): Kostenloser Screenreader mit guter EPUB-Unterstützung.
    • VoiceOver (macOS, iOS): In Apple-Geräten integrierter Screenreader.
    • JAWS (Windows): Professionelle Screenreader-Software, wenn verfügbar.

  • Prüfen Sie, ob Navigationselemente (Inhaltsverzeichnis, interne Links) korrekt angesagt werden, Alt-Texte vorgelesen werden und die Lesereihenfolge sinnvoll ist.

Weitere manuelle Prüfungen

Barrierefreiheits-Checklisten: Nutzen Sie Checklisten (z. B. basierend auf WCAG oder EPUB Accessibility Guidelines), um systematisch alle wichtigen Aspekte zu kontrollieren.

Tastaturnavigation: Vergewissern Sie sich, dass die Navigation ausschließlich mit der Tastatur möglich ist (ohne Maus).

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