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Anzeiger 5/2021 – So sehen Sieger*innen aus

Sie haben mit ihrem Geschäft nicht nur die Pandemie gut überstanden, sondern sind als die besten Fünf des Jahres auch mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden. Wie machen sie das?

Text: Teresa Preis

Wer nach einem Ausnahmejahr als eine von fünf Buchhandlungen mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wird, kann sich in Sachen Innovation, Flexibilität und beim Thema Beständigkeit schon einiges auf die Fahnen schreiben. Von einer Fachjury ausgewählt und vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) vergeben, stellt der anzeiger die prämierten Buchhandlungen vor und zeigt, was sie auszeichnet.

 

Preisträger*innen über ihr Erfolgskonzept

Petra Hofer ist die Inhaberin der Lainzer Grätzlbuchhandlung und bezeichnet sich selbst als passionierte Vielleserin: „Es macht mir sehr viel Freude, mich über Bücher auszutauschen und das jeweils Passende zu empfehlen. Dabei lege ich Wert auf Bücher, die nicht so sehr im Fokus der Werbung stehen.“ Diese Qualität kommt auch bei Autor*innen gut an, was sich daran zeigt, dass sie ihr Geschäft frequentieren und weiterempfehlen. „Das bringt meiner kleinen Buchhandlung recht viel Aufmerksamkeit.“ Nur 23 Quadratmeter reichen Hofer für ihre Buchempfehlungen und eine fein ausgewählte Papeterie-Abteilung. Das Erfolgskonzept? „Authentizität, Freundlichkeit, Wertschätzung, persönliche und möglichst unkomplizierte Betreuung“, so die gebürtige Schwäbin über ihre Wiener Buchhandlung.

2010 eröffnete Tilman Eder die Buchhandlung Erlkönig im achten Wiener Bezirk. Zum Erfolg sei Folgendes nötig: „Großes Engagement, persönliche Beratung und vor allem viel Geduld und auch Duldsamkeit.“ Einfach war diese Reise für den gebürtigen Stuttgarter nicht. „Man fängt schon sehr klein an. Ich bin froh, dass ich jetzt immerhin fast schon elf Jahre überstanden habe, da war ich mir oft gar nicht so sicher.“ Die Buchhandlung Erlkönig hat offenbar die ­Anforderungen der Jury gut erfüllt, Tilman Eder zählt dazu Nähe zum Kunden, persönlichen Einsatz, ein ausgewähltes Sortiment und ein schnelles sowie zuverlässiges Bestell­service.

Das richtige Ambiente für die Kund*innen

Die Vorarlberger Landeshauptstadt ist Sitz der Buchhandlung Brunner. Was zeichnet das Bregenzer Geschäft aus? „Wir haben hier das Riesenglück, mit der Buchhandlung in einem eleganten Haus eingemietet zu sein“, sagt die Geschäftsführerin Verena Brunner­-Loss. „Die Gegebenheiten und die Atmosphäre sind schön, dazu kommen die engagierten Mitarbeiter*innen. Und wir bemühen uns, immer das kleine bisschen ‚Mehr‘ anzubieten.“ Brunner-Loss glaubt dennoch, dass es für den Erfolg keine allgemeingültige Formel gibt. Das imposante historische Geschäftslokal benötigt regelmäßig kleine Ausbesserungen, ein Teil des Preisgeldes (10.000 Euro für jede ausgezeichnete Buchhandlung) soll dafür eingesetzt werden. „Während Corona haben wir in Bregenz in die Ökologisierung investiert und auf LED umgestellt, also Energiesparmaßnahmen getätigt. An solchen Verbesserungen arbeiten wir ständig“, erklärt Brunner-Loss.

Im Zentrum der Altstadt von Hall in Tirol steht ein denkmalgeschütztes mittelalterliches Gebäude. Hier ist die Buchhandlung Riepenhausen zuhause. „Hinter der historischen Fassade geht es aber ziemlich modern zu, mit einem prompten Bestellservice, vielseitigen Social-Media-Aktivitäten und einem professionellen Onlineshop“, sagt die Geschäftsführerin Sonja Bruch. Regionale Zusammenarbeit ist ihr wichtig: „Wir arbeiten partnerschaftlich mit den österreichischen Verlagsvertreter*innen und Auslieferungen zusammen, veranstalten Lesungen und organisieren Buchausstellungen sowie Büchertische.“ Die Wünsche der Kund*innen stehen hier im Mittelpunkt, dafür werden Bücher – falls nötig – auch einmal bei einem privaten Sammler in Amerika oder CDs aus Japan bestellt.

 

Veranstaltungen als Marketing für das Geschäft

Erich Weidinger von der Buchhandlung Weidinger am Attersee ist auch als Autor aktiv, schreibt Krimis, Kinder- und Sagenbücher. Was die Buchhandlung so erfolgreich macht? „Wir arbeiten nicht nur für die Literatur, wir leben auch dafür“, meint der Buchhändler. „Wir kennen viele Autor*innen persönlich, die uns gern immer wieder besuchen.“ Familie Weidinger betreut unterschiedliche Veranstaltungen­, außerdem setzt sie sich für die Lese­förderung von Kindern und Jugendlichen ein.

Veranstaltungen als Marketing stehen  – natürlich nicht im Pandemiejahr – auch bei der Buchhandlung Brunner auf dem Programm. „Wir haben den Anspruch, Lesungen und Buchpräsentationen immer ein bisschen spezieller zu gestalten: Der Eintritt ist frei, danach gibt es auch für alle noch ein Glas Wein, um Raum für Gespräche und Begegnungen zu bieten“, erklärt Brunner-Loss.

Wer wenig Platz für Veranstaltungen hat, muss sich andere Marketingstrategien ausdenken. So lässt sich Petra Hofer von der Grätzlbuchhandlung jedes Jahr zu Weihnachten eine kleine Besonderheit als Weihnachtsgabe für ihre Kund*innen einfallen. „Es gab bereits den Grätzlbuchhandlungskühlschrankmagneten, das Grätzlbuchhandlungsnotizbüchlein oder im letzten Jahr ein herzförmiges Teelicht als Dankeschön.“

 

Die Buchhandlung als Hybrid aus analog und digital

Investitionen in einen starken Onlineauftritt wurden spätestens während der Pandemie notwendig. Als zusätzliche Unterstützung profitierten auch einige der Siegerbuchhandlungen von der Digitalförderung von HVB und BMKÖS.

„Seit den letzten Jahren verfolgen wir das Hybridkonzept, eine schöne Buchhandlung zu betreiben und gleichzeitig unseren Webshop zu forcieren“, betont Verena Brunner-Loss von der Buchhandlung Brunner. „Corona hat uns stark gebeutelt, aber auch deutlich gezeigt, dass wir noch mehr in den Onlineshop investieren müssen.“ So soll ein Teil der 10.000 Euro in den Webshop gesteckt werden, denn „Hybride aus einem schönen Geschäftslokal und einem guten Onlineshop sind in Zukunft wichtig.“

Wie zentral ein starker Onlineauftritt ist, betont auch Erich Weidinger von der Buchhandlung Weidinger am Attersee: „Seit Beginn des Onlinehandels – und auch seit Social-Media-Kanäle aufgekommen sind – bespielen wir diese, was im Lauf der Jahre einen Werbeeffekt bringt.“

Wenn es um seinen Onlineauftritt geht, hat sich Tilman Eder für die Buchhandlung Erlkönig einen besonderen Kniff überlegt, angelehnt an tägliche Menüs in Restaurants. „Unsere Homepage bietet eine sogenannte Tageskarte, mit der wir jeden Tag neue Buchempfehlungen vorstellen.“ Einen Teil des Preisgeldes plant er in die neue Homepage zu stecken, zukünftig soll ein Webshop integriert werden.

 

Ein Teil vom Preisgeld für Mitarbeiter*innen

„Unsere Mitarbeiter*innen sind das Wichtigste überhaupt“, sagt Sonja Bruch von der Buchhandlung Riepenhausen in Hall, „sie machen den wesentlichen Unterschied aus“. Dabei betont sie: „Auch das hat uns Corona gelehrt: Onlineshops sind toll und nicht mehr wegzudenken. Aber ohne die Buchhändlerin des Vertrauens geht’s eben auch nicht.“ So soll ein Teil des Preisgeldes den Mitarbeiter*innen als Dankeschön zugutekommen, ein anderer Teil wird in die Verbesserung von Homepage und Onlineshop fließen.

Verena Brunner-Loss von der Buchhandlung Brunner in Vorarlberg ist überzeugt: „Nur mit Herzblut, Leidenschaft und Engagement ist es möglich, so eine Buchhandlung zu beleben. Es sind die Mitarbeiter*innen, die einem Geschäft Leben einhauchen.“ Und das soll gefeiert werden. „Deshalb werden wir mit dem Preisgeld natürlich erst einmal ein großes Fest für unser ganzes Team machen, wenn es wieder möglich ist“.

Bis vor Kurzem stand Petra Hofer allein in ihrer Grätzlbuchhandlung, seit dem ersten Lockdown im März 2020 hat sie Verstärkung: „Meine Mitarbeiterin Lisa Winkler ist ein richtiger Glücksfall. Sie hat von sich aus beim ersten Lockdown geschrieben, ob sie nicht einfach helfen kann, und es hat von Anfang an so gut gepasst, dass ich sie neben ihrem Studium geringfügig angestellt habe. Was soll ich sagen, der Blick der Jugend auf das Geschehen tut mir, als doch schon in die Jahre gekommene Buchhändlerin, sehr gut.“ Daher soll ein Teil des Preisgeldes als Bonus an die engagierte Mitarbeiterin gehen.

Das Gemeinschaftsprojekt Buchhandlung sieht in der Buchhandlung Weidinger im Salzkammergut noch mal anders aus: „Wir sind ein Familienbetrieb, haben deshalb keine normalen Arbeitszeiten und sind auch um vieles flexibler als andere Buchhandlungen“, erklärt Erich Weidinger.

 

Flexibilität und hoher Arbeitseinsatz führen zum Erfolg

In schwierigen Zeiten im stationären Handel zu bestehen, macht erfinderisch – und brachte bei manchen sogar einen Wachstumsschub. Tilman Eder im achten Wiener Gemeindebezirk betont, dass die Buchhandlung zu den Kund*innen kommt: „Ich bin gut durch die Krise gekommen, was ja schon viel bedeutet: Es gibt die Buchhandlung noch.“ Seit über einem Jahr bietet Eder Lieferungen an die Wohnungstür an. Ein Angebot, das gut aufgenommen wurde. „Ich habe den Eindruck, dass dadurch meine Buchhandlung – nicht nur im Bezirk – deutlich bekannter geworden ist.“

Flexibilität sieht Verena Brunner-Loss als Buchhandelsstrategie schon länger: „In den letzten zehn Jahren haben wir durch einen internationalen Anbieter, der keine Steuern zahlt, gelernt, flexibel zu sein. Diese Erfahrung aus den Vorjahren hat uns auf jeden Fall geholfen, wir konnten schnell reagieren“, sagt die Vorarlbergerin. „Wir haben immer gewusst, wie wichtig ein gutes Team ist, im vergangenen Jahr hat sich das bewährt!“

„Corona hat uns nach vorn katapultiert“, sagt Sonja Bruch von der Tiroler Buchhandlung Riepenhausen. Von selbst ging das natürlich nicht. „Nach einer kurzen Schockstarre haben wir losgelegt: Neues Warenwirtschaftssystem, neue IT-Ausstattung, Onlineshop aufgerüstet, Lieferservice mit Hauszustellung aufgebaut, dann Click & Collect, das Sortiment aktualisiert, den ganzen Laden umgeräumt, Social-Media-Aktivitäten forciert – ich persönlich kann mich an keine ähnlich intensive Zeit erinnern.“ Motivierend war für sie dabei die Loyalität und Treue ihrer Kund*innen. „Es war anstrengend, aber schön! Und dieser Preis ‚Buchhandlung des Jahres‘ ist jetzt das Tüpfelchen auf dem i.“

Von der erhöhten Arbeitsbelastung kann auch Petra Hofer von der Grätzlbuchhandlung ein Lied singen. „Ich wundere mich noch immer, wie ich das hohe Arbeitsaufkommen bewältigt habe. Ich habe im vergangenen Jahr sehr oft meiner zähen Allgäuerinnen-Natur gedankt“, lacht Hofer. Als kleine Buchhandlung konnte sie sehr flexibel und schnell auf die Erfordernisse des vergangenen Jahres reagieren, „das haben meine Kund*innen offenbar geschätzt“. Für Hofer war 2020 das erfolgreichste Jahr seit Bestehen der Buchhandlung.

 

Die nächsten Ausbauschritte für die Zukunft

Einen Ausblick zu geben, wenn noch unklar ist, wie sich die kommenden Monate gestalten werden, ist nicht einfach. Ideen haben die fünf Buchhändler*innen dennoch. An einem neuen Projekt arbeitet etwa Erich Weidinger am Attersee. „Wir planen in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband ein ,Author in Residence‘-Projekt am Attersee, an dem wir uns auch finanziell beteiligen werden. Weiters werde ich ab Sommer 2021 mit einer eigenen Kinder- und Jugendbuch- Radiosendung im Freien Radio Salzkammergut on air gehen.“

Tilman Eder möchte am Sortiment in der Buchhandlung Erlkönig feilen. „Ich möchte bereinigen und nicht nur gut gehende Warengruppen ausbauen, sondern auch investieren. Die Kochbuchabteilung etwa soll neu aufgestellt werden. Das wird viel Geduld, Einsatz und auch Kosten bedeuten.“ Wenn es wieder möglich ist, will er auch wieder Lesungen veranstalten, „vielleicht im Sommer im Hinterhof des Hauses“.

Für Petra Hofer ist die Frage nach zukünftigen Plänen für die Grätzlbuchhandlung während der „Noch-Corona-Zeiten“ nicht so leicht zu beantworten. „Einfach weiterhin so gut wie möglich für meine Kund*innen da sein – alles Weitere wird sich finden“, ist sie zuversichtlich.

In Bregenz ist die Sehnsucht bei Verena Brunner-Loss nach Normalität groß: „Es soll wieder buchhändlerischer Alltag einkehren können – der ist ohnehin aufregend genug. Wir wollen wieder voll für unsere Kund*innen da sein und basteln bereits an neuen Konzepten. Es ist aber noch zu früh, um konkret darüber zu sprechen.“

Sonja Bruch arbeitet als Nächstes weiter am Onlineauftritt der Buchhandlung Riepenhausen: „Er soll noch moderner werden: Eine neue Homepage und ein noch professionellerer Onlineshop sowie viele Social-Media-Aktivitäten – daran werden wir in der nächsten Zeit arbeiten.“ Bruch und ihr Team möchten „den momentanen Schwung in die Zukunft mitnehmen und hoffen, dass uns die viele PR durch diesen Preis nicht nur Ehre, sondern auch viele neue Kund*innen und damit Umsatz bringt. Dann sind wir für die Zukunft gut gerüstet.“

(c) Georg Feierfeil
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