60 Jahre „Literatur und Kritik“: Festakt in Salzburg

Nach der musikalischen Eröffnung durch das Ensemble Quadrophonie begrüßte Herausgeber Arno Kleibel die Anwesenden. Er dankte Förderern und Partner, würdigte die Verdienste des langjährigen ehemaligen Herausgebers Karl-Markus Gauß sowie von Ana Marwan und verlas die offiziellen Glückwunschbotschaften der Staatsspitze.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte „Literatur und Kritik“ als „Sprachrohr und einen Fürsprecher eines größeren Europa“. Kulturminister Andreas Babler hob die Zeitschrift als wichtigen Ort des literarischen Austauschs und als „unverzichtbaren Pfeiler für eine lebendige Demokratie“ hervor. Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger gratulierte zu 60 Jahren kritischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart.

Mitherausgeberin und Chefredakteurin Birgit Müller-Wieland betonte die kulturanthropologische Bedeutung des Feierns als kollektive Sinnstiftung und bewussten Austritt aus dem Alltag. Die Arbeit an der Zeitschrift erfordere gerade heute einen neuen „Wundbrand der Wachheit“ (Peter Weiss): „Denn es ist ja die Wunderkraft der Literatur, ihr Vermögen Augen zu öffnen und Welten zu erschließen, das uns ermutigen und aufrechterhalten kann.“

Autorin Lisa-Viktoria Niederberger las aus ihrer Erzählung „Gestrüpp vom Vorjahr“, Autor Raoul Schrott präsentierte seinen lyrischen Beitrag „Rekonstruktion eines Vokabulars des Schönen“.

Die Festrede hielt die Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl. Unter dem Titel „Gegen die Verkropfung, Verstopfung, Verzopfung“ beleuchtete sie historische Meilensteine und interne Richtungskämpfe der Zeitschrift. Sie erinnerte an Karl-Markus Gauß’ Credo von 1991, wonach es in der Zeitschrift niemals rein sachlich zugehen dürfe, „denn die Literatur und das Leben sind uns keine Sachen, denen Sachlichkeit angemessen wäre.“

von links Karl Markus Gauß, Birgit Müller Wieland, Raoul Schrott, Lisa Viktoria Niederberger und Arno Kleibel
v.l.n.r.: Karl Markus Gauß, Birgit Müller Wieland, Raoul Schrott, Lisa Viktoria Niederberger und Arno Kleibel (c) Eva Auzinger/Otto Müller Verlag
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